Gestärkt aus dem Wandel.
Bereit für das nächste Kapitel.
Der NOVENTI Vorstand im Interview.
Mark Böhm
VorstandsvorsitzenderNOVENTI Health SE
Frank Steimel
StellvertretenderVorstandsvorsitzender
NOVENTI Health SE
Lesezeit: 10 Minuten
125 Jahre Unternehmensgeschichte sind ein Ausdruck von Beständigkeit – und von der Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Für NOVENTI gilt beides: gewachsen aus einer starken Idee, getragen von einer klaren Haltung und geprägt von kontinuierlichem Wandel.
Die vergangenen Jahre haben dieses Selbstverständnis wirtschaftlich auf die Probe gestellt. NOVENTI war gezwungen, einen tiefgreifenden Sanierungsprozess zu durchlaufen, zentrale Strukturen zu überprüfen und neu auszurichten. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Sanierung im Jahr 2025 ist es gelungen, das Unternehmen erfolgreich zu transformieren, wirtschaftlich zu stärken und als verlässlichen, leistungsfähigen und zukunftsorientierten Partner nachhaltig am Markt zu positionieren. Damit ist die Grundlage für die nächste Entwicklungsphase gelegt.
Im Interview erläutern die Vorstände Mark Böhm und Frank Steimel, wie sie mit NOVENTI diesen entscheidenden Wendepunkt erreicht und welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben, wie sie die aktuelle Situation einordnen und welche Prioritäten sie für die Zukunft setzen.
Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, überwiegt vor allem eines: großer Respekt vor der Leistung des gesamten Teams. Wir haben das gemeinsam geschafft.
Mark Böhm
Herr Böhm, Herr Steimel, 2025 war für NOVENTI ein Jahr mit besonderer Bedeutung – 125 Jahre Unternehmensgeschichte – und zugleich der Abschluss des dreijährigen Sanierungsprogramms „Fokussierung 2025“. Was waren aus Ihrer Sicht die prägendsten Momente?
Mark Böhm: Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, überwiegt vor allem eines: meine Freude über das Vertrauen unserer Kunden in unser Unternehmen NOVENTI. Wir arbeiten verlässlich und kundenorientiert und haben einen tollen Vertrieb, Kundenservice und ein sehr gutes Produktmanagement. Auch investieren wir nachhaltig in unsere Produkte, die wir weiter verbessern.
Ich habe großen Respekt vor der Leistung des gesamten Teams. Die vergangenen drei Jahre waren intensiv – inhaltlich, organisatorisch und auch menschlich. Umso prägender war für mich der Moment, in dem klar wurde: Wir haben das gemeinsam geschafft.
Gleichzeitig war unser 125-jähriges Jubiläum ein besonderer Anlass, um innezuhalten und gemeinsam zu feiern. Für mich war deshalb unsere große Jubiläumsfeier im November, bei der wir mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in München zusammengekommen sind, ein absolutes Highlight. 1.700 Menschen von 14 Standorten, versammelt an einem Ort zu einem Anlass: 125 Jahre NOVENTI. Das war etwas ganz Besonderes!
Frank Steimel: Da gehe ich komplett mit, die Stimmung bei unserer Feier war einmalig. Daneben war für mich der prägendste Moment des Jahres 2025 der erfolgreiche Abschluss der offiziellen Sanierung, ganz klar. Wir haben die wirtschaftliche Stabilität von NOVENTI wiederhergestellt und die Finanzierung langfristig gesichert. Bedeutend war für mich der Rückhalt unserer externen Partner: Egal ob von unseren Eigentümern, Kundinnen und Kunden, Refinanzierungspartnern oder Banken – sie alle haben dieses Ergebnis mit ihrem Vertrauen und ihrer Unterstützung möglich gemacht. Und so haben wir die zentrale Voraussetzung geschaffen, um das Unternehmen nachhaltig weiterentwickeln zu können. Ein echter Meilenstein.
Herr Böhm, wie führt man ein Unternehmen durch eine Phase, in der so viel gleichzeitig auf dem Prüfstand steht?
Mark Böhm: Wenn ich aus den drei Jahren etwas ableiten würde, würde ich sagen, es geht vor allem um Klarheit, Orientierung und Verlässlichkeit. Konkret bedeutet das: wichtige Themen identifizieren, konsequent Prioritäten setzen und diese dann gradlinig verfolgen. Dazu gehört eine ordentliche Portion Mut. Und die haben wir alle bei NOVENTI bewiesen. Damit alle an einem Strang ziehen, muss die Organisation jederzeit wissen, woran sie ist – auch und gerade dann, wenn Entscheidungen schwierig sind.
Gerade deswegen heißt Führung in dieser Situation auch Transparenz. Dinge offen anzusprechen, schafft Vertrauen – speziell dann, wenn nicht alles einfach ist.
Herr Steimel, was war in dieser Phase für Sie der kritische Erfolgsfaktor?
Frank Steimel: Drei Jahre sind keine lange Zeit für eine Sanierung. Gleichzeitig mussten wir den laufenden Betrieb stabil halten. Das ist ein Spannungsfeld, das man nicht auflösen kann – man muss es aktiv managen.
Die größte Herausforderung dabei ist, unter hohem Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen – und sie dann auch unbeirrt umzusetzen.
Mit klaren Prioritäten, schnellen Entscheidungen und der Bereitschaft, Dinge zu Ende zu bringen, auch wenn sie nicht sofort funktionieren, oder folgerichtig zu beenden, wenn sie nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Dass wir das umsetzen können, haben wir in der Sanierung bewiesen.
Eine Frage an Sie beide: Die Situation, eine Sanierung in einem solchen Maße, verlangt insbesondere im Vorstand enge Abstimmung. Wie haben Sie beide zusammengearbeitet?
Mark Böhm: Wir haben in unseren jeweiligen Verantwortungsbereichen sehr klar geführt – und uns in den entscheidenden Fragen immer schnell und eng abgestimmt.
Frank Steimel: Das A und O war und ist das gegenseitige Vertrauen. Wir konnten, wir können uns darauf verlassen, dass Entscheidungen mitgetragen werden – auch wenn sie nicht immer einfach waren.
Mark Böhm: Am Ende geht es darum, geschlossen aufzutreten und klare Orientierung zu geben. Nur so ist es überhaupt möglich, dass alle – wir als Vorstand, die Führungskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – an einem Strang ziehen.
Welchen Anteil hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Erfolg der Sanierung?
Frank Steimel: Einen absolut elementaren. Was mich besonders beeindruckt hat, war die hohe Identifikation aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit NOVENTI – trotz der Belastungen, die eine solche Phase mit sich bringt. Das ist keine Selbstverständlichkeit und verdient großen Respekt.
Mark Böhm: Dafür möchten wir an dieser Stelle auch nochmal Danke sagen. Ohne die Bereitschaft vieler Kolleginnen und Kollegen, Veränderungen mitzutragen, uns in unseren Entscheidungen zu vertrauen und auch schwierige Prozesse mitzugehen, wäre das sicher nicht möglich gewesen.
Wir haben bereits das 125-jährige Jubiläum in der Sanierungsphase angesprochen – kein einfacher Spagat. Wie feiert man das gebührend – gerade in und nach einer Zeit, in der alles auf Effizienz und Struktur ausgerichtet wird?
Mark Böhm: Uns war es wichtig, auch während der Sanierung keine Kompromisse zu machen und zum Firmenjubiläum mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenzukommen. Denn das sind die Ereignisse, an die man sich in zehn, 15 oder 20 Jahren erinnert. Außerdem wollten wir mit der Jubiläumsfeier auch allen Mitarbeitenden Danke sagen – denn ohne sie hätten wir die Sanierung nicht abschließen können.
Für mich war die 125-Jahr-Feier ein eindrucksvoller Beweis dafür, wo wir stehen undwie weit wir schon gekommen sind: der Zusammenhalt, das Miteinander und das gegenseitige Vertrauen und Vertrautsein konnte man auf dem Fest gut spüren.
Frank Steimel: Ja, auf unserem Event hat man deutlich gespürt, dass wir einen gemeinsamen NOVENTI Spirit haben – das hat im wahrsten Sinne des Wortes beseelt. Und auch darüber hinaus arbeiten wir immer weiter an unserer Unternehmenskultur. Wir sind in vielen Bereichen klarer und konsequenter geworden. Gleichzeitig haben wir gelernt, noch offener miteinander umzugehen – gerade in schwierigen Situationen. Themen werden noch früher angesprochen, Verantwortlichkeiten klarer benannt.
Wir sind auf einem guten Weg, das zeigt auch unsere jährliche Mitarbeiterbefragung. Bei der Befragung Anfang 2026 konnten wir uns im Vergleich zum vergangenen Jahr bei 91 Prozent der Fragen steigern. Aber klar ist auch: Kultur entsteht nicht aus einzelnen Maßnahmen oder Umfrageergebnissen, sondern muss gelebt und verinnerlicht werden. Da ist jede und jeder Einzelne gefragt.
Herr Steimel, kommen wir zu den Hard Facts für das Geschäftsjahr 2025: Wie ist die Konzernbilanz einzuordnen? Die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens spiegelt sich nicht unmittelbar im Jahresergebnis wider.
Frank Steimel: Das ist zwar richtig – aber auch nicht überraschend. Die einmaligen Aufwendungen im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Abschluss der Sanierung wirken sich unmittelbar negativ auf unsere Jahresbilanz für 2025 aus.
Stellen Sie sich das wie eine Schlussrate bei einem Kredit vor. Wir wussten, dass sie am Ende der Sanierung auf uns zukommt, aber damit haben wir dieses Kapitel auch final abgeschlossen.
Entscheidend ist: Das operative Ergebnis von 2025 ist klar positiv und in den letzten beiden Geschäftsjahren waren wir operativ so stark wie noch nie zuvor.
Wir haben jetzt die Voraussetzungen geschaffen, um wieder profitabel zu wachsen. Das bedeutet: Das Ergebnis 2025 ist eine direkte Folge der Transformation, die wir erfolgreich abgeschlossen haben. Nun kommt das nächste Kapitel.
Worauf kommt es jetzt an, damit NOVENTI wieder nachhaltig positive Ergebnisse erreicht?
Mark Böhm: Wir wollen bis 2030 Qualitätsführer in all unseren Geschäftsbereichen werden. In der Rezeptabrechnung sind wir das bereits: Anfang 2026 haben wir zum achten Mal den Preis als „Bestes Abrechnungszentrum Deutschlands” gewonnen. In der Warenwirtschaft und Branchensoftware wollen wir das werden. Entscheidend wird für uns der Weg dahin und die Disziplin in der Umsetzung. Dafür werden wir unsere Systeme weiter stabilisieren und Komplexität reduzieren – im Produktportfolio und insbesondere im IT-Bereich …
Frank Steimel: … und schaffen so sukzessive Ineffizienzen ab und senken dauerhaft unsere Kostenbasis. Wir haben die richtigen Hebel identifiziert – jetzt geht es darum, diese fokussiert und mit klarer Priorität zu bedienen.
Und das bedeutet auch: Wir werden uns künftig noch stärker daran messen, was sich tatsächlich rechnet. Wachstum und Effizienz müssen sich unmittelbar im Ergebnis widerspiegeln.
Herr Böhm, welche Rolle spielt Innovation – insbesondere Künstliche Intelligenz – auf dem Weg dorthin?
Mark Böhm: Innovation ist eine unternehmerische Grundhaltung und steckt uns bei NOVENTI in den Genen – das haben wir in unserer nun schon über 125-jährigen Geschichte bereits oft bewiesen – und deshalb gehört sie auch zu unseren wichtigsten Unternehmenswerten. Für uns ist Innovation kein Selbstzweck, sondern ein klarer Hebel, damit wir unsere Ziele erreichen und unsere Kundinnen und Kunden noch besser unterstützen. In der Rezeptabrechnung setzen wir KI bereits seit 2018 ein. In unserem Kundenservice arbeiten wir notwendigerweise intensiv an weiteren Optimierungen durch KI.
Frank Steimel: Die Gesundheitsbranche ist heute in vielen Bereichen von Bürokratie und komplexen Prozessen belastet. Das hören wir immer wieder im Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden, egal ob Apotheken oder Gesundheitsfachberufe. Intelligente, innovative Anwendungen – zunehmend auch KI-basierte Lösungen im Bereich Ticketing wie in unserem Kundenportal „mein NOVENTI“– werden hier merklich entlasten.
Mark Böhm: Aber das heißt auch, dass wir müssen schneller werden müssen. Wir haben die Power, müssen sie aber auch „auf die Straße bringen“ oder anders: Die Technologien sind da – entscheidend ist, dass wir sie konsequent in die Anwendung bringen. Selbstverständlich immer mit Augenmaß und einem klaren Fokus darauf, was unseren Kundinnen und Kunden Mehrwert bietet.
Wenn Sie nach vorn blicken: Woran wird man in zwei bis drei Jahren erkennen, dass NOVENTI auf dem richtigen Weg ist?
Mark Böhm: Von außen, wenn ich das so sagen darf, wird man es daran erkennen, dass unsere Kundinnen und Kunden im Alltag entlastet werden und das auch unmittelbar spüren. Unsere Systeme sind stabil aufgestellt, unsere Prozesse verzahnen sich immer besser und unsere Leistungen liefern echten und vor allem neuen Mehrwert – und diesen Weg entwickeln wir konsequent weiter.
Innen werden wir deutlich fokussierter aufgestellt sein: mit einem klar priorisierten Portfolio, weniger Komplexität und einer Organisation, die schnell entscheidet und verlässlich umsetzt.
Frank Steimel: Und nicht zuletzt wird sich das auch wirtschaftlich zeigen – in einer stabilen Ergebnisentwicklung und mit klar gestärkter Wettbewerbsposition.
Weniger Komplexität bedeutet nämlich auch niedrigere Kosten und steigende Erlöse. Auch daran wird sich unser Fortschritt messen lassen.
NOVENTI ist ein Treiber der Digitalisierung im Gesundheitssystem mit operativer Exzellenz und Gestaltungswillen.
Frank Steimel
Blicken wir weiter nach vorne: Wohin soll die Reise von NOVENTI gehen – was ist Ihre Vision?
Mark Böhm: Ich möchte, dass unsere Kunden und Kundinnen über uns sagen: „Es läuft – und ich muss mich um nichts kümmern!“ NOVENTI wird bis 2030 Qualitätsführer in all seinen Geschäftsbereichen sein – messbar für Kundinnen und Kunden, spürbar im Alltag und wirtschaftlich nachhaltig. Und unsere Kundinnen und Kunden werden uns mit einem Gefühl der Entlastung und Unterstützung verbinden – als der starke Partner an ihrer Seite, der sie erfolgreich in die Zukunft begleitet.
Frank Steimel: Und dafür investieren wir gezielt in zukunftsträchtige Technologien. NOVENTI ist ein Treiber der Digitalisierung im Gesundheitssystem – mit operativer Exzellenz und Gestaltungswillen.
Mark Böhm: Wir fokussieren uns auf stabil laufende Produkte und Dienstleistungen, bei denen Digitalisierung und KI die entscheidenden Hebel sind. Wir stärken damit die wohnortnahe und niedrigschwellige Gesundheitsversorgung – für alle Leistungserbringenden und alle Menschen Deutschlands.
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