Interview mit JF

Jürgen Frasch im Interview zur Aktion "Klimaneutrale Apotheke"

Florian Giermann, Client Liaison Manager bei NOVENTI hat mit Jürgen Frasch über die Aktion „Klimaneutrale Apotheke“ von NOVENTI gesprochen. Jürgen Frasch ist Apotheker, seit 2011 Vorsitzender des FSA e. V. und selbst Besitzer einer klimaneutralen Apotheke. Er verrät, welche Auswirkungen die Umstellung für ihn gebracht haben.

Giermann: Ich habe das Vergnügen mit Jürgen Frasch über das Thema klimaneutrale Apotheke zu sprechen. Lieber Herr Frasch, Warum sollten Apotheken einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten?

Frasch: Ich denke, dass es für uns alle nicht schlecht wäre, wenn wir alle einen möglichst kleinen Klimafußabdruck hinterlassen. Wir als Apotheker kümmern uns um die Gesundheit unserer Mitbürger. Da sehen wir uns in der Verantwortung für die Dinge, die uns alle indirekt und direkt betreffen. Wir sehen vor allem, dass es im Sommer deutlich mehr Allergiker gibt, zurückzuführen auf die Luftverschmutzung, Pollen etc. Die Entwicklung der Umweltverschmutzung nimmt seinen Lauf. Und ich denke, da kann es nicht schaden, Maß zu halten. Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann – gerne!

Giermann: Das ist eine gute Einstellung. Wie viele Ihrer Apotheken sind klimaneutral?

Frasch: Eine, aber an den anderen arbeite ich. In einer Apotheke z.B. bin ich langfristig an einen “normalen“ Stromanbieter gebunden und kann so keinen Ökostrom beantragen. Bei den anderen kann ich die Umstellung soweit vorbereiten. Die Dinge, die man direkt umsetzen konnte, wie z.B. die 100-prozentige Nutzung von Recycling Papier, haben wir für alle Apotheken durchgeführt. Auch für noch nicht zertifizierte Apotheken. Schritt für Schritt lassen wir eine Apotheke nach der anderen zertifizieren.   

Giermann: „Klimaneutral“ ist ein Begriff, der nicht allen etwas sagt. Wie läuft das denn ab? Was sind die Schritte, die eine Apotheke durchlaufen muss, um als klimaneutral zu gelten?

Frasch: Als erstes ist wichtig, dass man eine Bestandsaufnahme vornimmt. Da fließt u.a. der Ressourcenverbrauch einer Apotheke ein, also der gesamte Energieverbrauch, Wasserverbrauch, aber auch die Isolation etc. Mir persönlich war wichtig, klimaneutrale Lieferfahrzeuge zu nutzen, mit dem Ziel emissionsfrei zu fahren. Da bin ich in der glücklichen Lage in der klimaneutralen Apotheke ein E-Auto zu haben.  

Giermann: …Und das fährt dann durch den Ort und wird von Ihren Kunden und potenziellen Kunden wahrgenommen.  

Frasch: Ja so ist der Plan. Wir wollen klar zeigen, dass wir versuchen die Umwelt möglichst wenig zu schädigen. Mit Erfolg: Hin und wieder wird es in der Bevölkerung gesehen und sehr positiv wahrgenommen. Ja, wir versuchen unsere Emissionen klein zu halten. Das trifft den Zeitgeist: Vor 20 Jahren wäre man ein Ökospinner gewesen, heute ist das Mainstream.  

Giermann: Haben sie konkrete Ersparnisse durch die Nutzung von Recycling Papier, E-Auto, Ökostrom etc.? Wird es dadurch finanziell günstiger?

Frasch: Ökostrom ist in der Bundesrepublik immer teurer als normaler Strom. Das maximalste, was man bei den Anbietern rausholen kann, ist normalen Strom zum gleichen Preis zu erhalten. Mir war es aber wichtig nicht nur Pseudoökostrom zu haben, sondern einen der tatsächlich ökologisch hergestellt wird. Das ist mir den Aufpreis wert. Andere Umstellungen sind preisgünstiger. Wir nutzen rein weißes Papier, das top aussieht. Da sieht niemand, dass es recyceltes Papier ist. Mit einer Energieeinsparung bis zu 85%. Der Aufpreis marginalisiert sich durch ein erhöhtes Interesse. Dadurch, dass der Absatz größer wird, bestehen die gleichen Skalierungen. Die sind also genauso wie die „normale“ Industrie letztendlich angebunden.  

Giermann: Klar, Angebot und Nachfrage. Wie viel Zeit und Kosten haben Sie bis in die Umstellung jetzt reingesteckt?

Frasch: Ja gut, da fallen immer mal wieder Kosten an, die sind aber relativ marginal. Das wichtigste ist, dass man sich vorher Gedanken macht, z.B. beim Ausfüllen des Antrages, was nicht ganz so einfach ist. Man muss bei gewissen Punkten im Vorfeld nachdenken, wie man manches regeln will. Das ist aber innerhalb von zwei-drei Tagen machbar, dann kann man den Antrag stellen. Und für die Umsetzung: man muss im Nachhinein auch klimaneutral handeln, sonst bringt das Ganze nichts. Man ganz klar die Vorteile sehen, z.B. bei den E-Autos, und ich habe mittlerweile mehrere: zwei E-Autos und einen Plug-In-Hybrid. Die Autos sind durch die Subventionen so preisgünstig geworden, da hat man gegenüber dem normalen Verbrenner eine deutliche Einsparung.

Giermann: Das allein ist ein wichtiger Punkt.

Frasch: Unser lokaler Lieferverkehr ist die Domäne der E-Autos. So günstig können sie nie wieder fahren. 100 Kilometer kosten vielleicht 5 Euro Strom.

Giermann: Wahnsinn, das bekommt man mit dem Benziner gar nicht hin. Und bei den Reichweiten der E-Autos sind die natürlich auch eher für die kürzeren Distanzen prädestiniert und nicht für den Familienurlaub.  

Frasch: Wobei ich denke, dass innerhalb Deutschlands sich 1.000 Kilometer gut planen und umsetzen lassen.  

Giermann: Wir ermitteln die Emissionen der Apotheken und schauen, wo wir direkt ansetzen können, um diese zu reduzieren. Beispielsweise durch den Austausch von Altgeräten und dem Wechsel des Stromanbieters. Aber irgendwann kommen wir an den Punkt, da ist das Ende der Fahnenstange erreicht und das sind dann die Emissionen, die übrig bleiben. Was passiert denn damit?

Frasch: Das ist das Schöne an NOVENTI: Dort wird dafür gesorgt, dass das Thema vorankommt. Da werden für die jetzige Zeit die Apotheken klimaneutral gestellt, indem NOVENTI Zertifikate kauft von nachweislich funktionierenden Projekten, wie z.B. dem Windkraftwerk-Bau für die Impfstoffproduktion in Indien. Das ist, finde ich, eine ganz interessante Geschichte. Den Hebel, den wir hier in der Bundesrepublik haben, der liegt weltweit betrachtet bei 3%. Doch wenn man es schafft, dass in den Schwellenländern an Stelle eines Kohlekraftwerks eine regenerierbare Energie wie Windkraft oder Wasserkraft eingesetzt wird, dann habe ich einen deutlich höheren Hebel. Ein Euro in der Bundesrepublik ist ein kleiner Beitrag, aber in Indien oder einem anderen Schwellenland wie Brasilien, ist die Kaufkraft und damit der Hebel ein ganz anderer.  

Giermann: Das beantwortet auch eine weitere Frage, in der ich fragen wollte, ob Zertifikate nicht wie ein Ablasshandel sind? Das haben Sie soeben widerlegt. Wenn durch die Investition der Bau eines Kohlekraftwerks verhindert wird, ist es kein Ablasshandel und es bewahrt uns davor, dass das was wir hier einsparen an anderer Stelle wieder ausgestoßen wird.  

Frasch: Das sehe ich auch so. Es gibt aber natürlich Greenwashing. Es gab mal eine Firma, die für jeden verkauften Kasten eines alkoholischen Getränks einen Baum gepflanzt hat. Das ist im Endeffekt Publicity und Greenwashing. Vielleicht ist es besser als nichts, hat aber im Endeffekt keinen nachhaltigen Effekt.

Giermann: Wie sehen Ihre Mitarbeiter das Thema klimaneutrale Apotheke?

Frasch: Die tragen das mit. Und man muss sagen: ohne die Mitarbeiter geht es nicht. Das schönste Mülltrennungskonzept bringt nichts, wenn die Mitarbeiter nicht mitmachen. Dass wir klimaneutral handeln, ist auch ein interessanter Punkt für die Mitarbeiter und Bevölkerung und wird durchaus positiv zur Kenntnis genommen. Ich glaube, dass man dadurch über kurz oder lang einen effektiven Wettbewerbsvorteil hat. Wenn man überlegen kann, „gehe ich dorthin, wo man sich nicht drum kümmert oder gehe ich zu jemandem, der achtsam ist? Wo man darauf achtet und versucht Ressourcen zu sparen“. Das ist ein Argument, sicher nicht das absolut entscheidende, aber ich glaube, bei der Mitarbeitergewinnung spielen nachher Marginalien eine Rolle.  

Giermann: Ein Mosaiksteinchen von vielen.

Frasch: Genau, so sehe ich das auch.

Giermann: Wenn wir das Interview veröffentlichen, werden vielleicht auch andere Apotheker denken: „Mensch, sowas würde ich auch gerne machen“. An wen können die sich wenden?

Frasch: Egal ob Kunde oder nicht, die NOVENTI unterstützt die klimaneutrale Apotheke. Für jeden, der diesen Prozess von Anfang bis Ende durchführt und das Zertifikat erhält, übernimmt NOVENTI die Kosten für das nächste Folgejahr. Ich denke, das ist ein absolutes Argument.

Das vollständige Interview ist bald als Video verfügbar.