Interview mit JHP

Jens-Henrik Pott im Interview zur Aktion "Klimaneutrale Apotheke"

Obwohl Jens-Henrik Pott kein Kunde von NOVENTI ist, macht er bei der Initiative „Zeichen-setzen!“ mit und nutzt das Zertifikat in der Außendarstellung. „Mit grünem Gewissen bei uns bestellen“ lautet das Motto von seinen drei Apotheken in Osnabrück. In der Tat wird dieses „grüne Gewissen“ von den Apotheken verkörpert, denn: Alle drei Apotheken werden klimaneutral betrieben.
Im Interview mit Florian Giermann, Client Liaison Manager bei NOVENTI, verrät Apothekeninhaber Jens-Henrik Pott, wie er das Vorhaben „Klimaneutrale Apotheke“ für seine stationären Apotheken realisiert hat.

Giermann: Herr Pott, wir kannten uns bis jetzt noch nicht. Sie sind nämlich gar kein NOVENTI-Kunde und trotzdem sehe ich Zertifikate zur klimaneutralen Apotheke im Hintergrund. Sie haben bei der Initiative „Zeichen-setzen!“ mitgemacht. Was waren Ihre Beweggründe?

Pott: NOVENTI ist mir natürlich ein Begriff, auch ohne dass ich Kunde bin. Aufmerksam bin ich darauf geworden, als ich einen Artikel in der Zeitung AWA gelesen habe. Der handelte u.a. von CO2-Neutralität. Mit dabei war die Info, dass NOVENTI ein Zertifikat für klimaneutrale Apotheken anbietet. Ich engagiere mich schon länger für das Thema Nachhaltigkeit. Als ich gesehen habe, dass eine solche Zertifizierung möglich ist und dahinter Schirmherr Gerd Müller steht, habe ich beschlossen, mitzumachen.

Giermann: Sie haben drei Apotheken im Norden von Osnabrück: Die sind alle klimaneutral und waren dies auch schon, als Sie mit uns in Kontakt getreten sind.

Pott: Im Prinzip habe ich mich in der Endphase der Umstellung befunden. Seit ca. 2,5 Jahren beschäftige ich mich schon mit dem Thema Nachhaltigkeit: Habe Neonbeleuchtungen durch LED Pannels, Kühlschränke und Durchlauferhitzer ausgetauscht. Weiter habe ich mit CO2-neutraler Belieferung bei KundInnen weitergemacht – auch vor dem Hintergrund, dass das für die Außendarstellung und in der Kundenbeziehung immer wichtiger wird.
Außerdem habe ich mich mit E-Autos beschäftigt. Vor zwei Jahren konnte mir aber noch niemand etwas wirklich Passendes anbieten. Vor einem Jahr habe ich dann drei E-Autos bestellt, leider hat sich die Anschaffung hingezogen – auch die Ladeboxen hatten mit Lieferengpässen zu kämpfen. Die Umsetzung war hier sehr langwierig. Für eine gute Außendarstellung ist eine CO2-neutrale Lieferung jedoch sehr wichtig, weshalb ich da dran geblieben bin. Dieselschleudern mit laufendem Motor vor der Apotheke kommen nicht mehr gut an.

Giermann: In der Pandemie haben Botenfahrten eher zugenommen. Wie geeignet sind denn Elektroautos dafür?

Pott: Die sind dafür ideal. Vor der Anschaffung habe ich mich mit der Reichweite der Fahrzeuge auseinandergesetzt. Durch Erfahrungswerte konnte ich mich im Auswahlprozess an unserer weitesten Tagesfahrt orientieren. Natürlich muss man wissen, dass die Reichweitenangaben von den Herstellern absolut utopisch sind und man da definitiv reduzieren muss.
Ich beliefere manchmal auch selbst meine Apotheken als Bote mit dem E-Smart (lacht), denn mit dem E-Smart macht es richtig viel Spaß zu fahren. Ein toller und wichtiger Effekt, der mir aber erst später aufgefallen ist: Wir müssen auch im Sommer bei maximal 25 Grad beliefern. Alle E-Fahrzeuge haben eine Vorklimatisierungsfunktion, d.h. man kann die Fahrzeuge vor Beginn der Fahrt herunterkühlen und dadurch eine durchgehende Belieferung bei unter 25 Grad gewährleisten. Davor hätte ich die Fahrzeuge vorher anschalten, den Motor laufen lassen und sie so mit der Klimaanlage herunterkühlen müssen.

Giermann: E-Autos werden ja bekannterweise mit Strom betankt und beim Strom haben Sie auch etwas gemacht.

Pott: Ich habe komplett auf Ökostrom umgestellt. Hier in Osnabrück gibt es bei den Stadtwerken ein Ökostrom „50 Kilometer Paket“, da wird der Strom wirklich aus 50 Kilometern im Umreis bezogen. Was ich auch sehr gut finde: Als KundIn wird man von den Stadtwerken in Form eines Zertifikats unterstützt. Für die Außendarstellung wieder eine toller Nachweis für nachhaltiges Engagement.

Ein Tipp: Man kann auch beim eigenen Stromanbieter nachfragen, ob die nicht so ein Zertifikat anbieten.

Giermann: Haben Sie Feedback von KundInnen zu Ihrer Klimaneutralität erhalten?

Pott: Seit 01.01.2021 bezeichne ich mich selbst offiziell als klimaneutral. Ende Dezember kam das E-Auto, 90 Prozent der Projekte, die ich umsetzen wollte, habe ich bis zu dem Zeitpunkt umgesetzt. Was fehlt: In einer Apotheke wird noch der Handverkaufsraum komplett umgebaut und auf LED Lichter umgestellt, ansonsten bin ich komplett klimaneutral.
Bei Facebook habe ich die Aktion ein bisschen beworben. Das Kundenfeedback war sehr gut. Die Aktion habe ich aber nicht für unser Marketing „ausgeschlachtet“, sondern eine Werbeagentur engagiert, die einen Pressetext schreibt und mit dem ich an die Presse gehen möchte. Auf diese Weise möchte ich möglichst gut verbreiten, dass dies die erste klimaneutrale Apotheke in Osnabrück ist. So weit bin ich aber noch nicht.

Bei allen KundInnen, ist das Feedback durchweg positiv, v.a. fällt es bei jungen KundInnen auf. Die setzen sich verstärkt mit dem Thema auseinander. Andere KundInnen wundern sich, gerade während Corona so ein Projekt anzugehen. Aber der Klimawandel überdauert Corona und betrifft genauso viele Menschen. Der Meeresspiegel steigt, Land bricht weg, wo jetzt Städte stehen, Katastrophen vermehren sich. Das ist ein akutes Thema. Da möchte ich ein Zeichen setzen.

Giermann: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass gerade Lokaljournalisten immer auf der Suche nach tollen Stories wie diesen sind. Wie sehen es Ihre Mitarbeiter?

Pott: Die finden es super. Ich habe junges Personal, die stehen da voll dahinter. Und die schauen auch schon, ob wir unsere Kosmetik nachhaltiger gestalten können. Mein Motto für das Marketing lautet „Mit grünem Gewissen bei uns bestellen“. Die KundInnen sollen wissen, dass wenn wir etwas liefern, es komplett CO2-neutral ist.
Wir versuchen auch E-Autos so wenig wie möglich zu nutzen, am liebsten arbeiten wir mit Fahrradboten. Wenn es weiter weg ist, es sich um Betäubungsmittel handelt oder Mittel kühl gelagert werden müssen, nutzen wir natürlich das E-Auto.

Giermann: Ein kurzer Schwenk zu NOVENTI und zur Initiative „Zeichen-setzen!“. Welchen Aufwand hatten sie zur Datenerhebung und -ermittlung?

Pott: Nicht viel, das ist eine Excelliste mit Daten, die man aus der Stromabrechnung herauslesen kann. Es dauert vielleicht eine halbe Stunde. Was ich nicht wusste ist, dass wenn ich nicht bereits Bäume gekauft hätte, NOVENTI es für mich übernommen hätte mich CO2-neutral zu stellen. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Bäume schon gekauft gehabt: 123 Bäume in Costa Rica. Im Heizungsbereich kann ich nämlich nicht umstellen. Da musste ich die Gasnutzung kompensieren, was ich durch den Kauf der Bäume schaffe. Mit der Neutralisierung von 60 Tonnen CO2 komme ich bei null raus.

Giermann: Man merkt, die Mitarbeiter denken über Kosmetika nach, Sie haben Bäume in Costa Rica gekauft und bei den Stadtwerken angerufen. Man entwickelt da so ein gewisses Bewusstsein dafür. 

Pott: Es macht Spaß. Natürlich ist das ein gewisser Kostenfaktor. Doch wenn man eine Abschreibungszeit von 10 Jahren hat, sind das kalkulierbare Kosten. Ich habe zwei Kinder – 11 und 15 Jahre – da macht man sich natürlich noch mehr Gedanken.

Giermann: Investition in die nächste Generation.

Pott: Auf jeden Fall!

Giermann: Vielen Dank für Ihre Zeit und, dass Sie bei der Initiative mitmachen!

Pott: Vielen Dank, ich find es super, dass NOVENTI das macht. Das finde ich sehr weitblickend: Nachhaltigkeit ist ein Thema, das wahrgenommen wird und gut für das Image ist.

Giermann: Vielen Dank für das Gespräch!